Laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ist das Klima der Erde stärker aus dem Gleichgewicht geraten als je zuvor in der beobachteten Geschichte. Die Konzentration von Treibhausgasen treibt die anhaltende Erwärmung der Atmosphäre und der Ozeane sowie das Schmelzen von Eis voran. Diese raschen und großflächigen Veränderungen haben sich innerhalb weniger Jahrzehnte vollzogen, werden jedoch für Hunderte – wenn nicht Tausende – von Jahren schädliche Auswirkungen haben.
Kernaussagen
- Rekordtemperaturen: Die Jahre 2015–2025 sind die elf wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Das Jahr 2025 war das zweit- oder drittwärmste Jahr, mit einer globalen Durchschnittstemperatur von etwa 1,43 °C über dem vorindustriellen Niveau (1850–1900).
- Energieungleichgewicht der Erde: Das Energieungleichgewicht der Erde hat den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen vor 65 Jahren erreicht.
- Ozeane als Puffer: Die Ozeane absorbieren jährlich etwa das Achtzehnfache des globalen menschlichen Energieverbrauchs – seit zwei Jahrzehnten.
- Extremwetterereignisse: Hitzewellen, Starkregen und tropische Wirbelstürme verursachen weltweit Störungen, Zerstörung und hohe wirtschaftliche Kosten.
- Weltmeteorologietag 2026: Das Motto lautet „Heute beobachten, um morgen zu schützen“.
Wichtige Klimaindikatoren
Treibhausgase
- Die Konzentrationen von Kohlendioxid (CO₂), Methan (CH₄) und Lachgas (N₂O) erreichten 2024 bzw. 2025 Rekordwerte – die höchsten seit mindestens 800.000 Jahren.
- Der jährliche Anstieg der CO₂-Konzentration war 2024 der größte seit Beginn moderner Messungen (1957).
Globale Durchschnittstemperatur
- Die letzten elf Jahre (2015–2025) waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen.
- 2025 lag die globale Durchschnittstemperatur etwa 1,43 °C über dem vorindustriellen Niveau.
Ozeanerwärmung
- Der Wärmegehalt der Ozeane (bis 2.000 Meter Tiefe) erreichte 2025 einen neuen Rekord.
- Die Erwärmungsrate der Ozeane hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt.
- Über 90 % der überschüssigen Wärme wird von den Ozeanen aufgenommen.
Meeresspiegelanstieg
- Der globale mittlere Meeresspiegel stieg seit 1993 um etwa 11 cm.
- Die Rate des Meeresspiegelanstiegs ist seit 2012 höher als in den vorherigen Jahrzehnten.
Gletscherschmelze
- Der Massenverlust der Gletscher war 2024/2025 einer der fünf höchsten seit Beginn der Aufzeichnungen (1950).
- Besonders betroffen: Island und die Pazifikküste Nordamerikas.
Meereisausdehnung
- Die durchschnittliche Ausdehnung des arktischen Meereises war 2025 die niedrigste oder zweitniedrigste seit Beginn der Satellitenmessungen (1979).
- In der Antarktis war die Meereisausdehnung 2025 die drittniedrigste.
Vertiefung: Energieungleichgewicht der Erde
Definition und Bedeutung
Das Energieungleichgewicht der Erde (Earth’s Energy Imbalance, EEI) beschreibt die Differenz zwischen der von der Sonne eingestrahlten Energie und der von der Erde zurück ins All abgegebenen Energie. Unter stabilen Klimabedingungen sind Ein- und Ausstrahlung im Gleichgewicht. Durch den Anstieg von Treibhausgasen wie CO₂, Methan und Lachgas wird jedoch zunehmend mehr Energie im Erdsystem zurückgehalten, was zu einer kontinuierlichen Erwärmung führt. Die WMO hat diesen Indikator erstmals 2026 als zentralen Klimaindikator in ihren Bericht aufgenommen, da er direkt die Beschleunigung der globalen Erwärmung widerspiegelt.
Ursachen
- Treibhausgase als „Decke“: Die erhöhten Konzentrationen von Treibhausgasen wirken wie eine isolierende Schicht. Sie lassen Sonnenstrahlung zur Erdoberfläche durch, behindern aber die Abstrahlung von Wärme ins All. Dadurch sammelt sich überschüssige Energie im System an.
- Menschliche Aktivitäten: Die Verbrennung fossiler Brennstoffe, Entwaldung und industrielle Prozesse verstärken den Treibhauseffekt und erhöhen so das Ungleichgewicht.
Aktuelle Daten und Trends
- Rekordniveau 2025: Das Energieungleichgewicht erreichte 2025 den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen vor 65 Jahren. Die Rate, mit der sich das Ungleichgewicht verschärft, hat sich besonders in den letzten 20 Jahren deutlich beschleunigt.
- Verteilung der überschüssigen Energie:
- 91 % werden von den Ozeanen absorbiert,
- 5 % von Landmassen,
- 3 % führen zum Schmelzen von Eis,
- 1 % erwärmt die Atmosphäre direkt.
- Folgen: Die Ozeane wirken als Hauptpuffer, doch die Erwärmung der Meere, das Schmelzen der Polargebiete und der Anstieg des Meeresspiegels sind direkte Konsequenzen. Diese Prozesse sind auf Jahrhunderte bis Jahrtausende irreversibel, selbst bei sofortiger Reduktion der Emissionen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse
- Messmethoden: Satelliten und Ozeanbojen messen die ein- und ausgehende Strahlung sowie die Wärmeaufnahme der Ozeane. Studien zeigen, dass das Ungleichgewicht seit 1960 kontinuierlich zugenommen hat – besonders stark seit der Jahrtausendwende.
- Prognosen: Selbst bei ambitioniertem Klimaschutz wird die bereits gespeicherte Wärme die Ozeane und die Atmosphäre noch über Jahrzehnte weiter erwärmen. Die WMO warnt, dass ohne drastische Maßnahmen die Folgen für Ökosysteme und menschliche Gesellschaften verheerend sein werden.
Zitate
„Es gelangt mehr Energie ins System, als es wieder verlässt – diese Energie akkumuliert sich und treibt die globale Erwärmung voran.“
„Das Energieungleichgewicht ist ein klarer Indikator dafür, wie stark der Mensch das natürliche Gleichgewicht stört.“
Auswirkungen auf Mensch und Umwelt
Extremwetterereignisse
- Hitzewellen, Waldbrände, Dürren, tropische Wirbelstürme und Überschwemmungen führten 2025 zu Tausenden Toten, betrafen Millionen von Menschen und verursachten Milliardenverluste.
- Klimabedingte Ernährungsunsicherheit und Vertreibung nehmen zu.
Gesundheitliche Folgen
- Steigende Temperaturen begünstigen die Ausbreitung von Krankheiten wie Dengue-Fieber.
- Hitzestress betrifft über ein Drittel der globalen Erwerbsbevölkerung (1,2 Milliarden Menschen), insbesondere in Landwirtschaft und Baugewerbe.
Langfristige Prognosen
- Die Erwärmung der Ozeane und der Anstieg des Meeresspiegels werden laut IPCC-Prognosen über Jahrhunderte anhalten.
- Veränderungen im Säuregehalt der Ozeane sind auf Jahrhunderte bis Jahrtausende irreversibel.
Politische Handlungsempfehlungen
Die WMO und Partnerorganisationen betonen die Dringlichkeit eines umfassenden, global koordinierten Handelns. Folgende Maßnahmen werden als besonders wirksam und notwendig erachtet:
1. Schnelle und tiefgreifende Reduktion der Treibhausgasemissionen
- Ausstieg aus fossilen Brennstoffen: Beschleunigter Umstieg auf erneuerbare Energien (Solar, Wind, Wasserkraft), unterstützt durch politische Rahmenbedingungen wie CO₂-Bepreisung und Subventionsabbau für fossile Energieträger.
- Energieeffizienz: Verpflichtende Standards für Gebäude, Industrie und Verkehr, um den Energieverbrauch zu senken.
- Dekarbonisierung der Industrie: Förderung von Wasserstofftechnologien und CO₂-armen Produktionsverfahren.
2. Ausbau und Stärkung natürlicher CO₂-Senken
- Aufforstung und Renaturierung: Schutz und Wiederherstellung von Wäldern, Mooren und Küstenökosystemen, die CO₂ binden und die biologische Vielfalt erhalten.
- Nachhaltige Landwirtschaft: Förderung von Anbaumethoden, die Kohlenstoff im Boden speichern und Emissionen reduzieren.
3. Investitionen in Klimaresilienz und Anpassung
- Frühwarnsysteme: Ausbau und Modernisierung von Wetter- und Klimavorhersagesystemen, um Extremwetterereignisse besser vorherzusagen und Leben zu retten.
- Klimaresiliente Infrastruktur: Anpassung von Städten, Küstenregionen und kritischer Infrastruktur an steigende Temperaturen, Meeresspiegelanstieg und Extremwetter.
- Wassermanagement: Entwicklung von Strategien zur Bewältigung von Dürren und Überschwemmungen, insbesondere in gefährdeten Regionen.
4. Internationale Zusammenarbeit und Finanzierung
- Klimafinanzierung: Erhöhung der Mittel für Anpassungsmaßnahmen in Entwicklungsländern, insbesondere für die ärmsten und verwundbarsten Gemeinschaften.
- Technologietransfer: Unterstützung von Ländern des Globalen Südens beim Zugang zu sauberen Technologien und Wissen.
- Globale Klimagovernance: Stärkung internationaler Abkommen wie das Pariser Klimaabkommen und verbindliche nationale Klimapläne (NDCs).
5. Forschung und Innovation
- Klimamodellierung: Intensivierung der Forschung zu regionalen Klimafolgen und Entwicklung von Lösungen für lokale Anpassung.
- CO₂-Entfernungstechnologien: Investitionen in die Erforschung und Skalierung von Technologien zur aktiven Entnahme von CO₂ aus der Atmosphäre.
6. Bildung und gesellschaftliches Engagement
- Klimabildung: Integration von Klimawissen in Schul- und Hochschulcurricula, um das Bewusstsein und die Handlungsfähigkeit zukünftiger Generationen zu stärken.
- Partizipation: Einbindung von Gemeinden, Indigenen Völkern und lokalen Akteuren in die Planung und Umsetzung von Klimamaßnahmen.
Zitate
„Die Zeit zum Handeln ist jetzt. Jedes Zehntelgrad Erwärmung, das wir vermeiden, zählt.“
„Nur durch kollektives Handeln können wir die schlimmsten Folgen des Klimawandels abwenden und eine lebenswerte Zukunft sichern.“
Fazit
Die WMO geht davon aus, dass die 1,5 °C-Marke in den nächsten Jahren vorübergehend überschritten wird, auch wenn dies nicht zwangsläufig dauerhaft der Fall sein muss. Die langfristige Entwicklung hängt stark von den globalen Emissionsreduktionen ab.
Der aktuelle Zustand des globalen Klimas erfordert ein beispielloses Maß an Zusammenarbeit und Entschlossenheit. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind klar: Ohne sofortige und umfassende Maßnahmen wird das Energieungleichgewicht der Erde weiter zunehmen und die Lebensgrundlagen Millionen von Menschen gefährden. Die politischen Handlungsempfehlungen der WMO bieten einen Fahrplan, um die Erwärmung zu begrenzen und die Resilienz gegenüber unausweichlichen Klimafolgen zu stärken. Die kommenden Jahre sind entscheidend, um die Weichen für eine nachhaltige und gerechte Zukunft zu stellen.
Quellen und weitere Informationen
Kontakt: Clare Nullis, WMO-Medienbüro (cnullis@wmo.int)
