Bits&Bäume – war was?

Knapp eine Woche nach der Bits&Bäume und nach dem Rausch im Veranstaltungs-Tsunami findet man sich langsam wieder ein in seinen Alltag. Und man fragt sich: War es das jetzt?

Um noch einmal die Sachlage zu klären – nur die Meldungen dieser Woche:

  • Angesichts immer neuer Höchstwerte an Treibhausgasen in der Atmosphäre warnt die Weltwetterorganisation vor den unumkehrbaren Folgen der Klimakatastrophe.
  • Die Feuerkatastrophe in Kalifornien ist Teil des rasant fortschreitenden Klimawandels.
  • Die Autoren der Studie zu den Nachhaltigkeits-Defiziten der Digitalisierung im Auftrag des WWF Deutschland und der Robert Bosch Stiftung zeigen auf, dass es bislang weder Lösungen für einen umwelt- und sozialverträglichen Abbau von Rohstoffen, intelligente Stoffkreisläufe oder für das Entsorgungsproblem gibt.
  • In einem weiteren Skandal musste Facebook Inc. eingestehen, dass Kritiker an dem Unternehmen mit Negativ-Kampagnen unter Druck gesetzt wurden.

Man kann es nicht mehr anders formulieren: Die Welt gerät aus den Fugen. Und niemand scheint es zu interessieren. Die Zerstörung der Schöpfung wird von den westlichen Eliten mehr und mehr als Hintergrundrauschen wahrgenommen. Das politische Analphabetentum der Digital Natives ist und bleibt erschreckend.

Selbst auf der Bits&Bäume-Konferenz hat es außer netten Unterhaltung einfach nichts gegeben, was den normalen hochbeschleunigten Digitalisierungsalltag im 21. Jahrhundert überdauern wird. Politische Haltung – Fehlanzeige. Klare Aussagen zum entfesselten Digitalkapitalismus – Fehlanzeige. Der Stopp des rasanten Ressourcenverbrauchs – weggeduckt.

Es ist schon von besonderer Peinlichkeit, wenn sich Greenpeace selber für eine gelungene Kampagne auf Facebook gratuliert, wenn das Unternehmen, dass diese Kampagne möglich macht, die Rechte der Bürgerinnen und Bürger mit Füßen tritt. Greenpeace mag Umwelt können, aber eben nicht Digitalrechte.

Und so ist eben nicht zusammen gewachsen, was eigentlich zusammen gehört. Wer diese Welt tatsächlich besser machen möchte, kann nicht mit blinden Augen und dem moralischen Zeigefinger gleichzeitig durch die Gegend laufen. Und deswegen gilt immer noch:

  • Umweltschutz darf nicht zu lasten von Datenschutz und Datensicherheit gehen. Greenpeace muss sich von Facebook als Signal für Bürgerrechte verabschieden.
  • Die Digitalisierung darf nicht zum Brandbeschleuniger bei der Zerstörung des Planeten werden. Der Raubbau an den Ressourcen der Erde muss mit hoher Priorität in den Digitalisierungs-Diskurs eingebracht werden.

Beide Forderungen erfordern harte Einschnitte in den jeweiligen Echokammern der Ökos und der Nerds. Doch jeden Tag, an dem wir die schmerzhaften Einschnitte weiter herauszögern, fällt es schwerer, die Reise in den Abgrund zu stoppen.