Verzicht – was sonst!

Laut Medienberichten verzichtet Robert Habeck, Co-Sprecher der Partei Bündnis 90 / Die Grünen, auf seine Präsenz bei Twitter und Facebook. Die Accounts bei diesen sozialen Medien will der Politiker stilllegen. Was wie politischer Selbstmord wirkt, könnte ein klares Zeichen für Zukunftsfähigkeit sein.

Wieder einmal die Grünen. Und wieder einmal mit dem Mut zum eigenen Untergang. Ist etwa schon wieder Veggy-Day?

Wenn man die ganze Aufregung um den letzten Datenklau mal beiseite lässt und die Situation nüchtern betrachtet, ist die Reaktion des Bundessprechers der Grünen nichts anderes als konsequent – und nichts anderes darf man von den Grünen erwarten:

  • Seit Jahren kämpfen die Grünen europaweit um Datenschutz und Datensicherheit und sind neben den Piraten die einzige Partei, die sich mit ausgewiesenen Fachleuten diesem Thema verschrieben hat.
  • Gerade Facebook wird immer wieder von den Grünen für die Verstöße gegen geltendes Recht an den Pranger gestellt. Aktuell liegt bereits wieder eine Klage der Grünen gegen den Zuckerberg-Konzern vor.
  • Nirgendwo werden Fehler von Politiker*innen so brutal ausgeschlachtet wie bei Vertreter*innen der Öko-Partei. Selbst interne Kritik konnte auch mal handgreiflich werden.

Doch die Reaktion Habecks – sollte diese in ihrer Konsequenz tatsächlich so durchgezogen werden – weist weit über politische Alltagsdebatten hinaus. Denn der Aufschwung der Grünen in den letzten Monaten ist ja auch wesentlich mit einer klaren Haltung zu den großen Herausforderungen im 21. Jahrhundert verbunden. Kein politischer Mitbewerber formuliert so klar, dass es ein ‚Weiter so‘ nicht geben wird. Dies gilt nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für die Digitalisierung.

Der Verzicht auf die sozialen Medien ist vor diesem Hintergrund nichts anderes als die konsequente Erweiterung des Suffizienz-Gedankens über die planetare Ökosphäre hinaus bis hinein ins virtuelle #Neuland. Bereits bei der ‚bits&bäume‘-Konferenz zuckten die Augenbrauen kritisch, als Greenpaece sich für erfolgreiches Campaining bei Facebook selber lobte – ausgerechnet beim Facebook-zerschlagen-Workshop.

Nach dieser Aktion von Robert Habeck darf man bei Greenpeace nun schon mal laut fordern: Raus aus der Illegalität von Facebook Inc..

Und wer schon mal bei sich zu Hause mit dem Daten-Detox Zeichen setzen will: Hier geht es zur Kampagne ‚Facebook-freie Kommune‚.